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Pressemitteilung des Vereins zur Situation durch den Flughafen (März 2006) |
Pressemitteilung
März 2006Die Situation durch den Flughafen stellt sich für uns wie folgt dar:
Seit dem Jahr 2000 gehen die Flugbewegungen kontinuierlich zurück. Sie sind um ca. 18 000 auf ca. 47 800 gesunken.
Die Lärmimmissionen bleiben dagegen beinahe konstant.
Enttäuschend stellt sich für uns die Gesetzeslage dar. Die Hoffnungen, die wir in die EU und den Gesetzgeber gesetzt haben, scheinen sich nicht zu erfüllen.
Durch den Rückgang der Flugbewegungen auf unter 50 000 pro Jahr ist der Flughafen PB/LP nach EU-Recht kein Großflughafen mehr. Das bedeutet, dass er von den in Bälde zu erstellenden strategischen Lärmkarten und Aktionsplänen nicht betroffen ist. Diese hätten nämlich dann der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden müssen.
So haben die betroffen Bürger kaum aktuelle Messwerte, auf die sie zur Abwägung beim Durchsetzen ihrer Rechte zurückgreifen können.
Die Novellierung des über 30 Jahre alten Fluglärm-Gesetzes ist jetzt bei der Bundesregierung anhängig. Jedoch sind bei dieser Novellierung die über zehn Jahre dauernden Vorschläge und Änderungen vom Entwurf bis zur Regierungsvorlage so weit verwässert worden, dass, sollte diese Novellierung Gesetz werden, keine Verbesserungen für die Lärmgeplagten absehbar sind. Diese Novellierung stellt sogar eine Verschlechterung gegenüber dem bisher Erreichten nach dem alten Fluglärmgesetz dar. Andere Behauptungen sind falsch.
Für die vom Flughafen PB/LP durch Lärm betroffene Bürger sieht es so aus, dass sie mit einer starken Lärmzunahme und all den negativen Begleiterscheinungen zu rechnen haben.
Die Immissionen, die bereits jetzt zu Störungen des täglichen Lebens führen, können bis zu einem Höchstmaß ausgereizt werden. (Beispielhaft kann die Lärmbewertung für das neue Baugebiet „Oberfeld" in Büren-Steinhausen unter der Einflugschneise sein.)
Die Lärmempfindlichkeit der Bevölkerung hat generell zugenommen, die Lärmwerte sind jedoch vom Gesetzgeber nicht schutzmäßig angepasst worden.
Bedenklich ist die Tatsache, dass der Flughafen die Start- und Landebahn verlängern will.
Als Begründung für die „Betriebswertsteigerung des Flughafens" wird eine Lärmreduzierung für die östlich der Landebahn gelegenen Ortschaften (Salzkotten-Tudorf) angeführt, da bei der Landung die Flugzeuge (rechnerisch) 12 m (zwölf) höher fliegen.
Weiter wird angeführt, dass mit der „Betriebswertsteigerung" die Flugzeuge mehr Last aufnehmen können, um weitere Ziele zu erreichen.
Der Flughafen hat eine Start- und Landebahn von 2.180 m Länge. Auf dieser sind Mittelstreckenverkehrsflugzeuge bis zur Boeing 767 ( in Klammerns =max. Abfluggewicht) 159 t) und Airbus A310 (157 t) sowie schon mehrere Boeing 747 (412 t) Lockheed Tristar, Airbus A330, Airbus A300 (138 t) und bis zu 20 Boeing 737 (76 t) bzw. Airbus A320 (76 t) gleichzeitig abgefertigt worden. Dieser Flugverkehr wird regelmäßig bei großen internationalen Fußballspielen im Ruhrgebiet oder bei Ausfällen von benachbarten Flughäfen (z.B.: als der Düsseldorfer Flughafen wegen einer Bombendrohung gesperrt worden war), auch nachts durchgeführt.
Da der Flughafen in seinem Ausbauzustand bereits jetzt mit der erforderlichen Logistik 3,4 Mill. Fluggäste befördern kann, ihm aber der Markt (bei 100 % Nutzung) nur 3 Mill. ermöglicht, bedarf es keiner längeren Start- und Landebahn um des Prestiges willen.
Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass das Einzugsgebiet um den Flughafen von 70 km plötzlich auf 100 km erweitert wurde und zu lesen war, dass das Einzugsgebiet (Marktpotential) nicht mehr nur 3 Mill. Fluggäste beträgt, sondern 4,8 Mill. Und das, obwohl seit 5 Jahren die beförderten Fluggäste auf ca. 1,3 Mill. stagnieren, aber andere Flughäfen laufend Zunahmen zu verzeichnen hatten. In einem 100 km-Radius um den Flughafen PB/LP liegen die Flughäfen Dortmund, Münster/Osnabrück, Kassel - Calden und nur 18 km außerhalb Hannover-Langenhagen. Wo sollen die Fluggäste für PB/LP herkommen?
Graphik zur Argumentation: Entfernung Airport Paderborn zu anderen Flughäfen
Bei einer nur weniger als 40 %igen Nutzung des Ausbauzustandes des Flughafens und zu erwartender Fluggastabwanderung, u. a. durch Kassel-Calden, ist eine Verlängerung der Start- und Landebahn nicht angezeigt.
Eine genehmigte verlängerte Start- und Landebahn gibt dem Flughafenbetreiber das Recht, diese dann auch in vollem Umfange zu nutzen. Schwerere Flugzeuge müssten dann die Kosten wieder einfliegen, was immissionsbedingt zu Lasten der Bürger (z. B.: Büren-Steinhausen und Salzkotten-Tudorf) geht. Die Großflugzeuge überfliegen die Start- und Landezonen mit ihren Abgasen entsprechend tiefer und lauter.
Die Kreise Paderborn (Mehrheitsgesellschafter) und Soest (12,3 % Flughafenanteile) wären gut beraten, in einen nicht ausgelasteten Flughafen noch weitere Millionen investieren zu lassen, zumal die finanziellen Einbußen des Flughafens voraussehbar sind.
Mit der „Betriebswertsteigerung" des Flughafens werden weder die Immissionen gesenkt, noch die Arbeitsplätze gesichert. Das Gegenteil wird der Fall sein. Außerdem werden die Kommunen dann über die Kreisumlage finanziell belastet und zwar auch die, die von den Flugimmissionen verschont wurden.
Wirtschaftlich sollte bei Kenntnis dieser Sachlage eine Verlängerung der Start- und Landebahn in jedem Falle verworfen werden. (Wir berücksichtigen in unserer Darstellung der Situation nicht nur die originären Themen wie Lärmminderung und Minderung von Immissionen aller Art, weil marktwirtschaftliche Faktoren einen wesentlichen Aspekt der Argumentation der Flughafenbetreibergesellschaft darstellen).
Das sollte auch der politische Inhalt sein.
M. Spremberg
(2. Vorsitzender)
| Damit Sie im Bilde sind: Übersicht über Flugbewegungen und Jahres-Leq 2000 - 2005. |
(Quelle:
Publikation des Flughafens Paderborn/Lippstadt)Flugbewegungen im Jahr 2000 = 65.836 Jahres-Leq 3 = 47,5 über alles = 53,0
2001 = 61.816 = 46,2 = 58,1
2002 = 60.196 = 46,7 = 54,3
2003 = 55.410 = 46,4 = 50,8
2004 = 46.259 = 46,4 = 53,6
2005 = 47.800 = 47,1 = 54,2
minus ca. 18.000 minus 0,4 plus 1,2
| Pressebericht zur Generalversammlung in der Neuen Westfälischen (März 2006): |
Neue Westfälische Nr. 70 v. 23.03.2006 Kreis Paderborn

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